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Nicht veröffentlichter Leserbrief im Milchrind zum Thema 'KuhVision'

In einigen Artikeln zum Projekt ‚KuhVision‘ vermisse ich den populationsgenetischen Sachverstand, den man eigentlich von studierten Tierzüchtern erwarten müsste.
Sicherlich hat ‚KuhVision‘ Vorteile für die Zuchtwertschätzung (z.B. relativ große, wenig vorselektierte Stichprobe der Gesamtpopulation) die deutlicher herausgearbeitet werden sollten. Studien, die den Unterschied zwischen Phänotyp und Zuchtwert ignorieren, sollten aber erst gar nicht angefertigt, geschweige denn veröffentlicht werden. Der Zuchtwert ist die additiv-genetisch bedingte Leistungsabweichung vom Populationsmittel eines Tieres, die im Mittel bei den NACHKOMMEN wirksam wird.
In Ausgabe 2-2017 geht Herr Prof. Dr. Swalve der Frage nach, wie aussagefähig genomische Kuhzuchtwerte seien. Er vergleicht innerhalb von ZW-Klassen gemittelte phänotypische Leistungen in unterschiedlichen Merkmalen mit dem jeweiligen Zuchtwertniveau. Er kommt zu dem Schluss, dass es enge bis sehr enge Beziehungen zwischen den genomischen Zuchtwerten der weiblichen Tiere und ihrer in der Praxis erbrachten Leistungen gibt. Die tatsächlich erbrachten Leistungen sind demnach ein sehr guter Schätzwert für die Zuchtwerte, zumal Herr Prof. Dr. Swalve festgestellt hat, dass es nur marginale Unterschiede zwischen Auswertungsvarianten mit gZW und dZW auf der einen Seite und auf Umwelteffekte korrigierten und unkorrigierten phänotypischen Leistungen auf der anderen Seite gibt. Daraus lässt sich folgern, dass man in Zukunft wohl kaum noch eine Zuchtwertschätzung benötigt.
Leider verzichtet Herr Prof. Dr. Swalve in dem ‚Milchrind‘-Beitrag darauf, der Frage nachzugehen, warum er zu diesem unerwarteten Ergebnis kommt. Ist der Korrelationskoeffizient zwischen Zuchtwert und Phänotyp größer als 0,8 oder deutlich darunter? Welchen Einfluss hat die Mittelwertbildung von Phänotypen innerhalb Zuchtwertklasse auf das Ergebnis?
Auch in der aktuellen Ausgabe des ‚Milchrinds‘ (4-2017) bedienen sich Herr Dr. Rensing, Herr Dr. Segelke und andere der wissenschaftlich falschen Methodik, Vergleiche zwischen innerhalb Zuchtwertklasse gemittelten Phänotypen und dem entsprechenden Zuchtwertniveau anzustellen, um daraus praxisrelevante Schlussfolgerungen zu ziehen.
Warum bedienen sich die genannten Autoren dieser wissenschaftlich falschen Methodik? Die Arbeitsgruppe um Herrn Dr. Rensing liefert die Antwort bei einer Präsentation während des diesjährigen Interbull-Meetings in Talinn: Diese Form der Datenauswertung ist eine sehr wirksame Art der Werbung, mehr Milchviehhalter für die Mitarbeit bei ‚KuhVision‘ zu gewinnen.
Die Milchviehhalter haben bei ‚KuhVision‘ einen nicht zu unterschätzenden Mehraufwand an Arbeit und Geld. Durch wissenschaftlich falsche Untersuchungen werden sie dazu motiviert, den Mehraufwand auf sich zu nehmen. Die Autoren der genannten Artikel im ‚Milchrind‘ handeln deshalb den Landwirten gegenüber verantwortungslos.